Wanderung zum Lac Blanc bei Chamonix: der schönste Balkon über dem Mont-Blanc?

Wanderung zum Lac Blanc bei Chamonix: 4 Zustiege im Vergleich

Altimood, Aktualisiert am

Ein Bergsee auf 2.352 Metern, abgelegt auf den Felsstufen der Aiguilles Rouges. Gegenüber kehren sich Aiguille Verte, die Drus und der Mont-Blanc im Wasser um, sobald der Wind nachlässt. Dieses Bild ist es, weswegen im Sommer so viele Wanderer zum Lac Blanc oberhalb von Chamonix aufsteigen.

Bei Altimood sind wir jede Saison mehrmals an dieser Flanke unterwegs, mit der Seilbahn ebenso wie über die Leitern von Tré-le-Champ. Eine Geheimtour ist der Lac Blanc nicht, und gerade darum fällt die Entscheidung schon beim Startpunkt: la Flégère, col des Montets, Tré-le-Champ oder der Talgrund ergeben vier grundverschiedene Tage. Dauer, Höhenmeter, technische Anforderung und Andrang verschieben sich komplett. Die folgende Tabelle stellt die vier Zustiege mit ihrem GPX-Track nebeneinander, danach gehen wir auf die tatsächliche Schwierigkeit, die Saison, die Vorschriften und die Berghütte ein.

RouteDistanzAufstiegDauerNiveau
Über la Flégère (Seilbahn)6,3 km hin und zurück+525 m3 bis 4 hLeicht, ab 7 Jahren
Über den col des Montets oder den Bahnhof Montroc12,7 km Runde+1.070 m5 bis 6 hMittel
Über die Leitern von Tré-le-Champ (Argentière)12,2 km Runde+1.200 m6 bis 7 hSchwer, luftig
Ab Les Praz, zu Fuss19,4 km Runde+1.600 m8 bis 9 hSportlich

Distanzen und Zeiten verstehen sich hin und zurück oder als Runde, Gehzeiten ohne Pausen. Die Höhenmeter entsprechen unseren GPX-Tracks, die unter jeder Route zum Download bereitstehen.

Aus der Schweiz liegt das alles nahe: Ab Genf oder Lausanne ist der Lac Blanc ein Tagesausflug, aus dem Wallis erst recht. Wer über Martigny und Le Châtelard die Grenze passiert, erreicht bei Vallorcine den col des Montets und Tré-le-Champ, ohne durch Chamonix zu fahren. Und wer die Aiguilles Rouges bereits von der Schweizer Seite her kennt, von Trient aus etwa, sieht auf dieser Wanderung dieselbe Kette von der anderen Seite.

Ist der Lac Blanc der schönste Balkon über dem Mont-Blanc?

Streng genommen nein, und das gehört gleich gesagt. Wer das Massiv in seiner ganzen Breite fassen will, kommt am Brévent (2.525 m) weiter: höher gelegen, frontaler, dazu ein Rundblick über 360°. Diesen Aussichtspunkt nennen die meisten TMB-Wanderer als Erstes. Der Grand Balcon Nord und die Lacs Noirs haben ebenfalls ihre Fürsprecher, und was am Ende in Erinnerung bleibt, entscheidet ohnehin das Licht, das Wetter an diesem Tag, der Betrieb auf dem Weg und die eigene Tagesform.

Der Vorteil des Lac Blanc, den weder der Brévent noch die anderen haben, liegt im Wasser: Hier steht das Massiv gegenüber und liegt gleichzeitig im See. Dieser Spiegel auf 2.352 m hat ihn zum meistfotografierten Balkon des Tals gemacht, und der Grund dafür ist zuerst einmal geografisch.

Der See öffnet sich genau nach Süden, der Nordseite des Mont-Blanc-Massivs zugewandt. Vom Ufer aus streift der Blick ohne Unterbruch die Aiguille du Chardonnet (3.824 m), die Aiguille d'Argentière (3.902 m), die Aiguille Verte (4.122 m) und die Drus (3.754 m) über der Mer de Glace, danach die Grandes Jorasses (4.208 m) und, weiter rechts, die Kuppe des Mont-Blanc (4.807 m). Dazwischen ziehen die Gletscher du Tour, d'Argentière und des Bossons talwärts. Liegt das Wasser still, steht das alles ein zweites Mal im See.

Die Rede ist vom «Lac Blanc» in der Einzahl, in Wirklichkeit sind es zwei Becken: das erste 3 Meter tief, das obere 10. Weiss ist das Wasser dabei keineswegs, es ist klar, und der Name dürfte eher vom Schnee kommen, der einen guten Teil des Jahres auf dem See liegt und das Nordufer bisweilen erst mitten im Sommer freigibt. Die paar Minuten Umweg zum oberen Becken lohnen sich: dasselbe Gegenüber mit dem Massiv, aber merklich weniger Leute am Ufer, wenn es ans Picknick geht. Früh am Morgen, bevor die ersten Kabinen oben ankommen, stehen nicht selten Steinböcke auf den Platten und aus dem Geröll pfeifen die Murmeltiere.

Die 4 Routen zum Lac Blanc

Alle enden am selben See, aber sie verlangen nicht dieselben Beine. So halten wir sie auseinander.

Ab la Flégère: der kürzeste Weg, mit der Seilbahn

Der klassische und zugleich einfachste Zustieg. Die Seilbahn bringt einen von Les Praz de Chamonix (1.068 m) hinauf zur Station la Flégère (1.877 m), von dort führt ein gut ausgetretener Pfad zum See. Für den Aufstieg sind 2 bis 2,5 Stunden zu rechnen, dazwischen einige Felsstufen, an denen die Hände mithelfen, doch nichts Ausgesetztes: Das ist die Variante, die Kindern ab 7 Jahren offensteht. Eine kleine Überraschung erwartet einen beim Aussteigen aus der Kabine, denn der Weg verliert zuerst rund dreissig Meter in die Combe de Chavanne, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt.

Der folgende Track umfasst nur den Aufstieg. Hin und zurück ergeben sich 6,3 km und +525 m.

1800 m2000 m2200 m2400 m0 km1 km2 km3 kmLa Flégère · 1898 mLac Blanc · 2359 m

Seilbahn la Flégère: Preise und Fahrzeiten

TicketFlégèreFlégère + Index
Einfach Erwachsene19 €31 €
Hin und zurück Erwachsene25 €43 €
Einfach Kinder (5-14 Jahre)16,20 €26,40 €
Hin und zurück Kinder21,30 €36,60 €
Familienticket77,60 €133,40 €

Die Preise sind in Euro angeschlagen, für die Retourfahrt Erwachsene liegt man also bei ungefähr 24 CHF, für das Familienticket bei knapp 75 CHF, je nach Kurs. Kartenzahlung ist an der Kasse problemlos möglich. Gratis unter 5 Jahren, Gruppentarif ab 20 Personen. Für den Sommer 2026 gelten die publizierten Fahrzeiten vom 11. Juli bis 13. September: erste Kabine um 8.20 Uhr, letzte Talfahrt um 18 Uhr bis zum 30. August, danach 8.35 Uhr und 17 Uhr vom 31. August bis 13. September. Daten und Preise verschieben sich von Jahr zu Jahr, prüfen Sie das vor der Auffahrt.

Ein Detail mit Folgen: Die einfache Fahrt kostet 19 €, die Retourfahrt 25 €. Zu Fuss nach Les Praz abzusteigen bringt somit gerade 6 € Ersparnis, kostet aber 800 Höhenmeter Abstieg in den Knien. Andersherum kommt man gleich teuer weg, wenn man zu Fuss aufsteigt und die Kabine nur für die Rückfahrt löst, und mit müden Kindern ist das oft der beste Kompromiss.

Damit man nicht zweimal denselben Pfad geht, wählen viele den Abstieg über die lacs des Chéserys. Vorsicht vor dem Missverständnis mit den viel zitierten 45 Minuten: Gemeint ist die Zeit vom Lac Blanc zu den lacs des Chéserys, nicht der ganze Rückweg, für den es bis la Flégère über zwei Stunden braucht. Und falls Sie diesen Zustieg genau deshalb gewählt haben, weil Ihnen «nichts Ausgesetztes» zugesichert wurde: Auf diesem Rückweg liegen Felsstufen und eine kurze Metallleiter. Schwierig ist das nicht, aber man muss es nicht erst vor Ort erfahren.

Der Parkplatz von la Flégère, unten in Les Praz, ist in der Saison gebührenpflichtig.

Die Variante über den Index, wenn man dem Andrang ausweichen möchte

Ab la Flégère führt ein Sessellift zum Index (2.401 m). Von dort erreicht der Weg die Hütte im Balkon, nahezu eben, in etwa 1 Stunde 20. Teurer wird es dadurch, und die Höhenmeter fallen kaum mehr ins Gewicht. Letzte Bergfahrt zum Index gegen 17 Uhr, letzte Talfahrt gegen 17.45 Uhr in der Hochsaison.

Der folgende Track deckt allein die Querung ab, von der Bergstation des Sessellifts bis zum See: 2,8 km, +130 m und -160 m. Für den Rückweg auf demselben Weg ist er zu verdoppeln, sonst wechselt man auf den Abstieg nach la Flégère.

2200 m2250 m2300 m2350 m2400 m0 km1 km2 kmL'Index · 2381 mLac Blanc · 2352 m

Ab dem col des Montets: der Aufstieg zu 100 % zu Fuss

Wer auf Bergbahnen verzichten möchte, ohne gleich grosse Höhenmeter anzupeilen, findet am col des Montets (1.461 m) einen guten Mittelweg. Der Pfad steigt durch den Wald, dann über die Alpweiden, streift die lacs des Chéserys und erreicht den Lac Blanc in 3 bis 3,5 Stunden, bei +965 m. Die Route wird weniger begangen als jene ab la Flégère und ist ausserdem abwechslungsreicher, mit dieser Abfolge von Bergseen, die einander ablösen. Für Anreisende aus dem Wallis ist der Pass zudem der nächstgelegene Startpunkt, gleich hinter Vallorcine.

Der folgende Track beginnt am Bahnhof Montroc-Le Planet, den der Mont-Blanc Express bedient, und schliesst die Runde über den col des Montets: eine Tour ohne Auto, 12,7 km und +1.070 m, länger als der Aufstieg ab dem Pass, dafür ist die Parkplatzfrage erledigt. Eines sollten Sie vorher wissen: Er kehrt über die Tête aux Vents und die Leitern der Aiguillette d'Argentière zurück. Haben Sie den col des Montets gewählt, um genau diesen Leitern auszuweichen, steigen Sie auf Ihrer Aufstiegsroute wieder ab.

1500 m2000 m2500 m0 km5 km10 kmGare de Montroc · 1362 mLac Blanc · 2360 m

Ab Argentière oder Tré-le-Champ: der Weg der Leitern

Dieser Zustieg hat dem Gebiet seinen Ruf als «wild» eingetragen. Oberhalb von Argentière zieht der Pfad zur Aiguillette d'Argentière (1.893 m) hinauf und durchbricht danach einen Felsriegel über eine Reihe von Metallleitern und Seilen. Die Passagen sind luftig, doch gut eingerichtet, und Klettertechnik braucht es dafür keine: Die Hände dienen dem Halt. Nur bleibt die Tiefe eben da, und ihr gegenüber sind wir nicht alle gleich. In welcher Richtung man die Runde geht, ist deshalb kein Detail: Eine Leiter steigt sich hinauf erheblich besser als hinunter, und so nehmen wir sie mit unseren Gruppen.

Dieser Abschnitt zwischen Tré-le-Champ und la Flégère entspricht der Etappe 10 des Tour du Mont-Blanc, die wir in einem eigenen Artikel Schritt für Schritt aufschlüsseln: Wer den TMB vorbereitet, findet dort alles zur Passage der Leitern.

Der folgende Track dreht eine Runde ab dem Bahnhof Argentière (1.246 m), was die Anreise per Bahn erlaubt: 12,2 km und +1.200 m, Leitern inbegriffen. In der gezeichneten Richtung steigt er über die Chéserys auf und kehrt über die Tête aux Vents und die Leitern zurück. Wer die Leitern im Aufstieg nehmen will, geht ihn andersherum. Mit dem Auto verkürzt der Parkplatz von Tré-le-Champ, weiter oben an der Passstrasse, den Zustieg aus dem Talgrund.

1500 m2000 m2500 m0 km5 km10 kmGare d'Argentière · 1245 mLac Blanc · 2352 mAiguillette d'Argentière (échelles) · 1893 m

Ab Les Praz: die ganze Strecke, ohne Bergbahn

Alles zu Fuss vom Talgrund aus, ab Les Praz (1.068 m), ist ebenfalls möglich. Die ersten zwei Stunden führen durch den Wald hinauf, im Schatten und in der Kühle, ohne Sicht auf das Massiv, bis die Bäume enden. Genau das überspringt die Seilbahn, und genau das macht den Start zu Fuss im Hochsommer tragbar: Bei grosser Hitze gehen sich diese zwei Stunden unter den Lärchen weit angenehmer als dieselben Höhenmeter in der prallen Sonne. Die meisten kombinieren den Aufstieg zu Fuss ohnehin mit einer Talfahrt in der Kabine, oder umgekehrt. Reserven in den Beinen sind Voraussetzung.

Der folgende Track startet am Bahnhof Les Praz und schliesst die Runde über den Lac Blanc: 19,4 km und knapp +1.600 m, der grösste Tag der vier.

1000 m1500 m2000 m2500 m0 km5 km10 km15 kmLes Praz de Chamonix · 1068 mLac Blanc · 2357 m

Ohne Auto hinkommen

Dieses Argument geht gern vergessen: Der Mont-Blanc Express bedient Les Praz, Argentière und Montroc-Le Planet, also je einen Bahnhof pro Route. Drei der obigen Tracks starten direkt an einem Bahnhof (Argentière für die Leitern, Montroc für den col des Montets, Les Praz für die ganze Strecke), und zur Seilbahn von la Flégère sind es vom Bahnhof Les Praz ein paar Minuten zu Fuss. Kein einziger der vier Ausgangspunkte setzt somit ein Auto voraus.

Von der Schweizer Seite fügt sich das gut: Ab Martigny fährt der Mont-Blanc Express über Le Châtelard und Vallorcine ins Tal von Chamonix und hält an allen genannten Bahnhöfen. Man erreicht den Start also ohne Grenzstau und ohne Parkplatzsuche. Denn im Juli und August sind die Parkplätze im Tal bereits ab 9 Uhr besetzt, und der Zug ist dann schlicht der einfachste Weg zum Ausgangspunkt. Ausserdem lässt sich der Tag damit anderswo beenden als dort, wo er begonnen hat: über Tré-le-Champ aufsteigen und über la Flégère nach Les Praz absteigen, zum Beispiel, ohne danach ein Auto holen zu müssen.

Weiter zu den anderen Seen

Ist man einmal oben, bleibt der Lac Blanc nicht das einzige Becken der Gegend. Die lacs des Chéserys, unmittelbar darunter, lassen sich auf dem Rückweg durchqueren, ohne gross zu verlängern, und mit weniger Leuten. Wer noch etwas weiterschiebt, gelangt zum lac Cornu und zu den Lacs Noirs oder zum kleinen lac de Persévérance, der einen anderen Blickwinkel auf den Lac Blanc eröffnet. Wer gut unterwegs ist, kann auch über den Sessellift zum Index wechseln und auf der Seite von la Flégère absteigen.

Schwierigkeit: entscheidend ist der gewählte Start

Der Lac Blanc kennt nicht eine Schwierigkeit, sondern vier. Über la Flégère ist es ein Familienausflug: gleichmässiger Aufstieg, ein paar Felsstufen, nichts Ausgesetztes. Über Tré-le-Champ betritt man ein völlig anderes Register, mit den Leitern und dem Felsband, einem Gelände also, in dem man sich in der Höhe wohlfühlen muss.

Wenn Höhenangst bei Ihnen ein Thema ist, Sie aber dennoch die Variante «zu Fuss» möchten, umgeht der Aufstieg über den col des Montets die luftigen Leitern der Aiguillette d'Argentière, allerdings unter einer Bedingung: auf derselben Route wieder absteigen. Als Runde führt der Rückweg über die Tête aux Vents direkt auf diese Leitern zu, und diesem Verlauf folgt unser Track. Eine weitere Präzisierung, die ins Gewicht fällt: Keine dieser Routen erspart die kurze Leiter, die zwischen den Chéserys und dem See über die Platten führt und allen Zustiegen zu Fuss gemeinsam ist. Sie ist kurz und einfach, doch es gibt sie, und wer mit jemandem unterwegs ist, den die Tiefe beunruhigt, weiss das besser vorher. Der einzig wirklich leiterfreie Zustieg bleibt der direkte Hin- und Rückweg ab la Flégère. Welche Route auch immer, man bewegt sich auf Hochgebirgswegen, gut markiert, aber steinig, wo feste Schuhe über dem Knöchel und Stöcke für den Abstieg den Tag verändern.

Wann die Wanderung zum Lac Blanc machen

Das verlässliche Fenster reicht von Ende Juni bis Ende Oktober. Vor Mitte Juni hält sich der Schnee noch in den Aiguilles Rouges: Über 2.000 m decken Altschneefelder den Pfad zu, und der See bleibt oft gefroren, teils bis zum Ende des Frühlings weiss von Schnee. Am anderen Ende geht sich der Herbst ausgezeichnet, nach dem Betriebsschluss der Seilbahn, solange der Schnee nicht zurück ist: Die Hütte kündigt ihre Saison 2026 bis zum 1. November an.

Im Juni und anfangs Juli stehen die Hänge voller blühender Alpenrosen und die Bäche führen Wasser. Im Juli und August ist die Wetterlage am stabilsten, gleichzeitig herrscht der grösste Andrang: Der Verein, der das Naturschutzgebiet betreut, zählt im Hochsommer 1.000 bis 1.500 Personen pro Tag am See. Im September machen das flache Licht und der nachlassende Betrieb den Aufstieg ruhiger. Ein Datum zum Vormerken, falls Sie die Ruhe suchen: die Woche des Ultra-Trail du Mont-Blanc, vom 24. bis 30. August 2026. Der Schlussanstieg des Rennens verläuft über die Tête aux Vents und la Flégère, also exakt über die Flanke des Abstiegs von Tré-le-Champ, und das Gros des Feldes zieht dort nachts durch. Der Start erfolgt in Chamonix am Freitag, 28. August, am Abend. Um Ihre Reise in der Saison einzuordnen: Unser Artikel über die beste Reisezeit für den Tour du Mont-Blanc schlüsselt die Bedingungen Monat für Monat auf, und sie gelten auch für dieses Gebiet.

Der Lac Blanc im Winter

Der See bleibt mit Schneeschuhen oder auf Tourenski erreichbar, allerdings in einer völlig anderen Kulisse: Die Oberfläche ist gefroren und verschneit, die Landschaft durchgehend weiss. Die Seilbahn von la Flégère erschliesst das Gebiet dann nur, soweit das Skigebiet geöffnet hat, und die Strasse zum col des Montets kann gesperrt sein. Vor allem sind diese Hänge lawinengefährdet: Eine Wintertour zum Lac Blanc ist kein Spaziergang, sie will vorbereitet sein wie eine Schneetour, mit der Ausrüstung und der Lektüre des Lawinenbulletins, die dazugehören. Im Zweifelsfall rufen Sie vor dem Aufbruch das Office de Haute Montagne (la Chamoniarde) an.

Baden, Hunde, Biwak: was das Naturschutzgebiet vorschreibt

Der Lac Blanc und die lacs des Chéserys liegen im Réserve naturelle nationale des Aiguilles Rouges, 3.276 Hektar, unter Schutz gestellt per Ministerialerlass vom 23. August 1974. Entstanden ist es aus einer örtlichen Initiative: dem interkommunalen Schutzgebiet am col des Montets, 1971 auf Betreiben einiger Engagierter gegründet, bevor der Staat drei Jahre später übernahm. Konkret ändert das drei Dinge.

Baden ist untersagt. Seit dem Präfekturerlass vom 22. Mai 2025 sind Baden und Bootfahren am Lac Blanc wie an den lacs des Chéserys verboten. Diese Bergseen sind empfindliche Lebensräume, und Sonnencremes und andere Produkte, die auf der Haut mitkommen, können sie belasten (in den Bergseen der Écrins laufen dazu Untersuchungen). Am Lac Blanc kommt ein handfesterer Grund hinzu: Die Hütte pumpt ihr Wasser direkt aus dem See und kocht damit. Worin man badet, landet auf dem Teller derer, die dort oben schlafen. Das Wasser geniesst man vom Ufer aus.

Hunde sind nicht zugelassen, auch nicht an der Leine. Die Regel gilt im gesamten Schutzgebiet, die Ranger kontrollieren sie, und die Bussen fallen empfindlich aus. Wer mit Hund anreist, organisiert für den Tag eine Betreuung oder wählt eine andere Wanderung ausserhalb des Schutzgebiets. Was diese Strenge einbringt, zeigt sich im Gelände: Steinböcke und Gämsen sind zahlreich und lassen einen recht nah herankommen, vor allem früh am Morgen.

Das Biwak lässt sich nicht überall aufstellen. Vom 1. Juni bis 30. September ist es im gesamten Schutzgebiet der Aiguilles Rouges verboten, ausgenommen einige Sektoren, die auf Reservierung offenstehen. Am Lac Blanc selbst lautet die Antwort demnach nein, und das ist die grösste Enttäuschung derer, die mit dem Zelt heraufkommen. Der nächstgelegene bewilligte Sektor ist jener der Chéserys, maximal dreissig Zelte, und ausschliesslich rund um den oberen See: An den unteren Seen ist das Biwak untersagt, und die am Boden ausgelegten Seile markieren die Grenze, die nicht überschritten wird. Weiter südlich funktionieren der lac Cornu und die Lacs Noirs (fünfzehn Zelte) oder der col de Bellachat und der lac du Brévent (fünfundzwanzig) nach demselben Prinzip.

Die Reservierung ist kostenlos, empfohlen und läuft über reserve-bivouac74.fr, ein Platz pro Zelt. Danach wird das Zelt um 19 Uhr aufgestellt und am folgenden Morgen um 9 Uhr abgebaut, selbst bei mehreren Nächten. Feuer und Drohne sind verboten, der Kocher bleibt erlaubt, und der Abfall geht mit Ihnen hinunter: Die Hütte nimmt ihn nicht. Ausserhalb der Zonen oder der Zeiten kostet eine Kontrolle der Ranger 68 €. Camping, also mehrere Nächte am selben Ort, bleibt im ganzen Schutzgebiet untersagt.

Zonen, Kontingente und Erlasse ändern von Saison zu Saison, und die Gemeinden legen ihre eigenen Regeln über jene des Schutzgebiets: In Vallorcine untersagt eine Gemeindeverordnung das Biwak auf einem Teil des Gebiets. Erkundigen Sie sich auf der offiziellen Seite, bevor Sie mit dem Zelt aufsteigen. Unser Artikel über das Biwak am Tour du Mont-Blanc ordnet diese Regeln in den gesamten Rundweg ein.

Übernachten im Refuge du Lac Blanc

Direkt am Wasser erlaubt das Refuge du Lac Blanc (2.352 m), die Wanderung auf zwei Tage aufzuteilen und vor allem den See bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang für sich zu haben, wenn die Tagesgäste abgestiegen sind. Das ist der beste Moment, um die Drus und die Aiguille Verte im Wasser aufleuchten zu sehen. Die Hütte bietet Lager und Verpflegung und serviert tagsüber Getränke und Mahlzeiten. Für 2026 kündigt sie ihre Saison vom 5. Juni bis 1. November an. Rechnen Sie mit rund 70 € für die Halbpension (Übernachtung, Abendessen und Frühstück), Preis bei der Reservierung zu bestätigen.

Die Kapazität ist beschränkt und der Ort stark gefragt: Die Reservierung ist unerlässlich, für ein Sommerwochenende oft mehrere Wochen im Voraus. Sie läuft online über refugelacblanc.com oder unter 07 81 32 36 55. Zur Erweiterung der Auswahl: la Flégère und Les Praz haben weiter unten weitere Unterkünfte, und unsere Übersicht der Berghütten am Tour du Mont-Blanc listet die Möglichkeiten im Gebiet auf.

Unsere Erfahrungen aus dem Gelände

Der Lac Blanc, eine Variante des Tour du Mont-Blanc

Sagt Ihnen der Name «Leitern von Tré-le-Champ» etwas, dann weil der Lac Blanc mehr ist als eine Tageswanderung: Er grenzt an den Verlauf des Tour du Mont-Blanc. Die letzte Linie des Rundwegs, zwischen Tré-le-Champ und la Flégère, folgt genau dieser Flanke über den Grand Balcon Sud, und viele TMB-Wanderer gönnen sich den Abstecher zum See, bevor sie zum Brévent und nach Les Houches wechseln, der letzten Etappe.

Diesen Balkon begehen wir auch auf unserem Tour du Mont-Blanc in 7 Tagen, der Komfortvariante mit ausgewählten Unterkünften und einem Begleiter, der das Gelände kennt. Mit einem Unterschied: Dort eröffnet der Lac Blanc die Reise, statt sie abzuschliessen. Es ist die Etappe des ersten Tages, Aufstieg ab la Flégère, danach Abstieg nach Argentière durch den Wald, weniger begangen als der Weg zum See. So hat man bereits am ersten Mittag die gesamte Nordseite des Massivs gegenüber, für deren Umrundung sechs Tage nötig sein werden.

Häufige Fragen zum Lac Blanc

Auf welcher Höhe liegt der Lac Blanc?

Der Lac Blanc liegt auf 2.352 Metern, im Massiv der Aiguilles Rouges, gegenüber der Nordseite des Mont-Blanc.

Ist die Wanderung zum Lac Blanc schwierig?

Das hängt vom Start ab. Ab la Flégère (Seilbahn) ist es eine Familienwanderung mit +525 m hin und zurück, offen ab 7 Jahren. Ab Argentière wird es deutlich fordernder: +1.200 m und die Passage der Leitern, Wanderern vorbehalten, die sich über der Tiefe wohlfühlen.

Darf man im Lac Blanc baden?

Nein. Baden und Bootfahren sind am Lac Blanc und an den lacs des Chéserys seit dem Präfekturerlass vom 22. Mai 2025 verboten, zum Schutz dieser empfindlichen Bergseen.

Sind Hunde am Lac Blanc erlaubt?

Nein, auch nicht an der Leine. Der See liegt im Naturschutzgebiet der Aiguilles Rouges, in dem Hunde verboten sind. Die Ranger kontrollieren und büssen Verstösse.

Wie lange dauert der Aufstieg zum Lac Blanc?

Rechnen Sie mit 2 bis 2,5 Stunden Aufstieg ab la Flégère (nach der Seilbahn), 3 bis 3,5 Stunden ab dem col des Montets und 6 bis 7 Stunden für die Runde über die Leitern ab Argentière.

Kann man im Winter zum Lac Blanc?

Ja, mit Schneeschuhen oder auf Tourenski, aber der See ist gefroren, die Seilbahn läuft nur zusammen mit dem Skigebiet und die Hänge sind lawinengefährdet. Eine Wintertour bereitet und sichert man wie eine Schneetour.

Weiterlesen

  1. Altimood Bergführer
  2. Geführte Wanderungen in den Alpen
  3. Tour du Mont Blanc
  4. Lac Blanc bei Chamonix